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Vor der Geburt


Besonderheiten und Risiken

Behandlung mütterlicher Erkrankungen

Wir haben auch Ihre Gesundheit im Blick

Viele Frauen achten während der Schwangerschaft ganz besonders auf die eigene Gesundheit und ihr Wohlbefinden – das ist auch gut so! Dennoch kann es natürlich auch in dieser Zeit zu Erkrankungen kommen. Mal ist es eine harmlose Erkältung, mal Schwangerschaftsbedingte Veränderungen, die eigentlich dafür sorgen sollen, dass Ihr Kind optimal versorgt ist, die die Entwicklung dann aber beeinflussen können wie der Schwangerschafts-Diabetes oder Bluthochdruck. Und dann gibt es natürlich Grunderkrankungen, die Sie bereits vor der Schwangerschaft hatten, die sich aber auf den Schwangerschaftsverlauf auswirken können.

Wir bieten Ihnen in unserem Perinatalzentrum Level 1 eine interdisziplinäre Schwangerschaftsbetreuung in enger Kooperation mit Kollegen anderer Fachdisziplinen, damit Sie und Ihr Kind bestens versorgt sind. Manchmal müssen Zusatzuntersuchungen durchgeführt oder Medikamente umgestellt werden. Wichtig ist, dass Sie uns rechtzeitig über Vorerkrankungen oder Veränderungen, die Sie bemerken, informieren.

Häufige Vorerkrankungen oder solche, die während der Schwangerschaft auftreten, sind:

Rund eine von zehn Frauen leidet während der Schwangerschaft unter Bluthochdruck (Hypertonus). Ihr Frauenarzt kontrolliert den Blutdruck bei den Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig, so dass er – wenn notwendig – frühzeitig Maßnahmen ergreifen kann.

Man unterscheidet zwischen zwei Formen von Bluthochdruck in der  Schwangerschaft. Zum einen gibt es den Hochdruck, der schon vor der Schwangerschaft besteht. Zum anderen den Bluthochdruck, der zum ersten Mal in der Schwangerschaft auftritt, den sogenannten schwangerschaftsinduzierten Hypertonus (SIH). Die meisten Frauen mit Bluthochdruck in der Schwangerschaft haben eine ganz normale Schwangerschaft. In seltenen Fällen kann ein Bluthochdruck jedoch auch ein Vorzeichen für ernsthafte Erkrankungen sein. Darum ist es besonders wichtig, erhöhte Blutdruckwerte frühzeitig zu erkennen und engmaschig zu kontrollieren.

Eine dieser Erkrankungen ist die so genannte Präeklampsie. Zeichen der Präeklampsie sind neben dem erhöhten Blutdruck eine vermehrte Eiweißausscheidungen über den Urin (Proteinurie). Bei schweren Krankheitsbildern können auch Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Sehstörungen auftreten. Eine Sonderform der Präeklampsie ist das HELLP-Syndrom. Hierbei kann es für Mutter und Kind zu gefährlichen Komplikationen kommen. Diese können eine frühzeitige Entbindung notwendig machen. Hier in unserem Perinatalzentrum Level 1 können wir Sie und Ihr Kind  gemeinsam mit unseren Kinderärzten optimal versorgen.

Sollte bei Ihnen eine stationäre Überwachung notwendig sein, wird zunächst Ihr Blutdruck optimal eingestellt. Des Weiteren führen wir regelmäßig CTG-Kontrollen sowie spezielle Ultraschalluntersuchungen (Dopplersonographie) durch, um die Durchblutung des Mutterkuchens und die Versorgung und das Wachstum des Kindes zu kontrollieren.

Diabetes mellitus oder auch Zuckerkrankheit ist dadurch definiert, dass die Blutzuckerwerte im Blut über ein normales Maß erhöht sind.

Es gibt im Wesentlichen drei Formen: den Diabetes mellitus Typ I, Typ II und Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes).

Bei Typ I Diabetes wurden durch körpereigene Zellen (so genannte Autoantikörper) Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Dadurch kann kein Insulin mehr produziert werden. Dieses ist allerdings notwendig, damit Zucker aus dem Blut in die Muskel- und Fettzellen transportiert werden kann. Dieser Typ entsteht häufig schon im Kindes- oder Jugendalter. Die Patienten müssen das fehlende Insulin ersetzen – in der Regel über Spritzen.

Dem Typ II Diabetes liegt eine sogenannte Insulinresistenz zugrunde. Das bedeutet, dass zwar Insulin von der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, es aber an Muskeln und Fettzellen nicht ausreichend wirken kann. Häufig liegt dem eine ständige Nahrungsaufnahme zugrunde. Wenn andauernd Zucker aufgenommen wird, sind die Zellen zur Aufnahme nicht mehr empfindlich genug. Sie sind „zu müde“ um noch mehr Zucker aufzunehmen. Ursache sind in der Regel erbliche Veranlagung, Übergewicht, Bewegungsmangel und schlechte Ernährung. Daher tritt der Typ II oftmals auch erst im Alter auf.

Der Gestationsdiabetes oder auch Schwangerschaftsdiabetes ist der Diabetes, der erstmalig in der Schwangerschaft auftritt. Ähnlich wie bei dem Typ II Diabetes sind zum einen die Muskel- und Fettzellen „zu müde“ um den Zucker aufzunehmen, zum anderen wird häufig zu wenig Insulin produziert. Darauf folgt ein zu hoher Blutzuckerspiegel.

Da der Gestationsdiabetes nur für die Zeit der Schwangerschaft besteht, sind hier vor allem die Folgen für das Kind zu berücksichtigen. Der Zucker im Blut der Mutter geht über den Mutterkuchen zum Kind. Dadurch wird das Kind größer (Makrosomie) und die Fruchtwassermenge nimmt zu (Polyhydramnion). Das kann eine Frühgeburt zur Folge haben oder Komplikationen bei der vaginalen Geburt.

Um festzustellen, ob Sie einen Gestationsdiabetes haben, führt Ihr Frauenarzt zwischen der 24. und 28. SSW einen Zuckertest mit Ihnen durch, der sogenannte OGTT (oraler Glukosetoleranztest). Abhängig von Ihren gemessenen Zuckerwerten wird Ihnen Ihr Frauenarzt sagen, ob eine Ernährungsumstellung ausreicht, oder ob Sie vielleicht Insulin benötigen.

In der Regel ist mit der Geburt Ihres Kindes der Schwangerschaftsdiabetes ebenfalls beendet. Allerdings besteht danach ein höheres Risiko in späteren Jahren an einem Diabetes mellitus Typ II zu erkranken. Daher empfehlen wir regelmäßige Kontrollen bei Ihrem Hausarzt.

Bei einem epileptischen Anfall ist das Gleichgewicht zwischen chemischen und elektrischen Signalen im Gehirn aus dem Ruder geraten. Es entladen sich plötzlich viele Nervenzellen gleichzeitig. Diese Entladungen breiten sich im Gehirn unnatürlich aus. Dabei können einzelne Areale oder das gesamte Gehirn betroffen sein. Tritt ein solcher Anfall häufiger auf, spricht man von einer Epilepsie.

Eine Epilepsie spricht nicht gegen eine Schwangerschaft. Allerdings sollte diese geplant sein, so dass Sie mit dem richtigen Medikament eingestellt werden können. Dabei unterstützen Sie Ihr Frauenarzt, Ihr behandelnder Arzt und natürlich auch wir in unserem Perinatalzentrum. Nach der Entbindung bestimmen wir den Medikamentenspiegel. Gemeinsam mit unseren erfahrenen Neurologen werden wir sie individuell betreuen und die Dosis für Sie persönlich anpassen.

Wir unterstützen Ihren Wunsch nach einer normalen Geburt gern. Gemeinsam mit unseren Neurologen und Kinderärzten betreuen wir Sie und Ihr Kind und suchen nach dem optimalen Vorgehen bei der Geburt Ihres Kindes.

In der Schwangerschaft können Bakterien, Parasiten und Viren Mutter und Kind gefährden. Diese Infektionen lassen sich meist über eine Blut- oder Abstrichentnahme nachweisen. Die Schwere der Folgen hängt vom Erreger und dem Zeitpunkt der Infektion in der Schwangerschaft ab. Die wichtigsten Infektionen in der Schwangerschaft sind unter dem Begriff TORCH zusammengefasst.

„T“ steht für die Toxoplasmose-Infektion

Eine vor allem durch Katzenkot und verunreinigte Lebensmittel (zum Beispiel rohes Fleisch) übertragene Infektion mit besonders hoher Infektionsgefahr für das Ungeborene im letzten Drittel der Schwangerschaft. Die Mutter hat meist keine Symptome. Ein Test ist nicht in der normalen SS-Vorsorge inbegriffen. Bei einer Infektion sollte eine intensive Ultraschallüberwachung des Kindes erfolgen. Am besten schützen Sie sich vor einer Toxoplasmose-Infektion, indem Sie rohes Fleisch und rohen Fisch meiden, ebenso den Kontakt zu Katzen.

„O“ fasst alle anderen Infektionen zusammen: zum Beispiel Listeriose, Chlamydien, Variziellen (Windpocken)…

Alle diese Erkrankungen kommen selten vor. Wir beraten Sie gern bei Fragen zu diesen Infektionen und treffen die notwendigen Maßnahmen.

„R“ steht für Rötelninfektion

Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen sind immun und haben als Folge einer Rötelninfektion (meist im Kindesalter) oder einer Impfung sicheren Schutz durch Antikörper. Symptome sind zum Beispiel ein Hautausschlag besonders am Rücken sowie den Streckseiten der Arme und Beine sowie Fieber. Eine Neuerkrankung, vor allem in der Frühschwangerschaft, kann zu einer Fehlgeburt oder Entwicklungsstörung des Kindes führen. Frauen ohne Immunität sollten sich vor der Schwangerschaft impfen lassen.

„C“ steht für die Cytomegalie-Virus-Infektion (CMV)

Sie ist die häufigste übertragene Infektion in der Schwangerschaft. Sie zeigt meist keine Symptome für die Mutter. Auch bleibt sie in 90 Prozent der Fälle bei Infektion der Kinder ohne schwere Folgen. Bei einer Ansteckung innerhalb der ersten drei Monate können die Viren jedoch Schädigungen verursachen. Um das Risiko auszuschließen, können Sie sich während der Schwangerschaft auf Immunität testen lassen. Leider übernehmen die Krankenkassen diese Leistung häufig nicht. Lassen Sie sich auf jeden Fall dazu beraten.

„H“ steht für die Herpesinfektion, Hepatitis und HPV

Bei einer aktiven Herpesinfektion im Genitalbereich um den Geburtstermin herum wird ein Kaiserschnitt empfohlen, um die Übertragung auf das Neugeborene zu vermeiden. Bei häufig wiederkehrenden Herpesinkfektionen kann eine Prophylaxe mit Aciclovir ab der 36. SSW erfolgen.

Bei Hepatitis-B-Infektion muss das Neugeborene direkt nach der Geburt geimpft werden, um eine Ansteckung zu verhindern. Eine Spontangeburt ist aber in der Regel möglich. Das Screening ist Bestandteil der normalen Schwangerschaftsvorsorge.

Bei einer gutartigen HPV Infektion mit Condylomen (warzenartige Geschwulste im Genitalbereich), ist – falls durch die Größe kein Geburtshindernis verursacht wird – eine natürliche Geburt möglich.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) in der Schwangerschaft

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn (MC) und Colitis ulcerosa(CU) treten in jungem Erwachsenenalter auf, in dem die Familienplanung eine große Rolle spielt. Entscheidend für den Verlauf der Erkrankung während der Schwangerschaft ist vielfach, ob sie zum Zeitpunkt der Empfängnis akut ist. In etwa 25 Prozent der Fälle treten akute Schübe in der Schwangerschaft auf. Ist die werdende Mutter zum Zeitpunkt der Empfängnis symptomfrei, verringert sich die Wahrscheinlichkeit eines akuten Schubes während der Schwangerschaft. In jedem Fall sollte eine enge Anbindung an Ihren behandelnden Gastroenterologen/Hausarzt und Gynäkologen in der gesamten Schwangerschaft bestehen.

Einer natürlichen Geburt  steht auch bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) in der Regel nichts entgegen. Gern beraten wir Sie im persönlichen Geburtsplanungsgespräch hierzu ausführlich. Durch die gute Vernetzung unser geburtshilflichen Abteilung mit den Gastroenterologen steht Ihnen auch in schwierigen Fragen immer ein kompetentes Team zu Seite.

Krebserkrankungen (Karzinome) in der Schwangerschaft sind selten. Das Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) ist das häufigste gynäkologische Karzinom in der Schwangerschaft.

Sollten Sie als werdende Mutter mit dieser Tumorerkrankung konfrontiert werden, ist eine exakte Diagnostik entscheidend für die Festlegung des weiteren therapeutischen Vorgehens. Die Therapie hängt maßgeblich vom Stadium der Erkrankung, dem Lymphknotenbefall, dem Schwangerschaftsstadium und dem Wunsch der Patientin ab. Bei genauer Kenntnis aller Befunde wird ein individuelles Behandlungskonzept zusammen mit Ihnen und einem interdisziplinären Team aus Gynäkologen, Onkologen, Pränatalmedizinern, Pädiatern und Psychoonkologen festgelegt. Hier ist besonders hervorzuheben, dass wir mit Prof. Christhardt Köhler einen der führenden Experten mit sehr großer Erfahrung in unserem Team haben ‐ gerade auf dem Gebiet der onkologischen Behandlung von Schwangeren.

Ziel ist es, für Sie die Therapie mit der höchstmöglichen onkologischen Sicherheit festzulegen, unter Berücksichtigung des optimalen Entbindungszeitpunktes.

In der Regel wird in der 34. SSW nach vorausgegangener Lungenreifebehandlung ein Kaiserschnitt durchgeführt. Im Anschluss an die Entbindung wird die weitere onkologische Behandlung für Sie festgelegt. Auch hier gibt es je nach Befund und einem möglichen weiteren Kinderwunsch verschiedene Therapieoptionen, die ausführlich mit Ihnen besprochen werden.

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